Wer an einen Dieb denkt, denkt meist an jemanden, der in eine Wohnung eindringt, sie auf den Kopf stellt und zusammenrafft, was er eben findet. Dieses Bild ist falsch. Laut der Psychologin  Claire Nee von der Universität Portsmouth, die das Verhalten von Dieben studiert hat, ähnelt ihr Denken in vielerlei Hinsicht jenem von Schachspielern.

Im Vorjahr hat Nee für ihre Studie eine Reihe von verhafteten Dieben interviewt. Sie sollten ihre Einbruchstechniken und das Verhalten vor und während eines Einbruchs beschreiben.

Die Ergebnisse der Befragung sind interessant. So gaben die meisten Diebe an, sich sofort ins Schlafzimmer zu begeben, sobald sie sich Zutritt zu einer Wohnung verschafft hatten. Dies auch, wenn die Schlafzimmer im oberen Stock lagen. Erst dann nahmen die Diebe den Wohnbereich unter die Lupe. Gesucht wird vor allem nach Bargeld, Kreditkarten und anderen Wertsachen, die in Brieftaschen gefunden werden können. Danach werden handliche Wertgegenstände eingepackt, die leicht zu transportieren sind. Weniger interessant sind dagegen Smartphones und andere Geräte, weil diese schnell an Wert verlieren.

Nee hat zudem herausgefunden, dass erfahrene Diebe während einer Tat funktionieren, als würden sie vom Autopiloten gesteuert. Sie wissen genau, wo sie mit der größten statistischen Wahrscheinlichkeit finden können, worauf sie es abgesehen haben. Dieser Automatismus ermöglicht es den Dieben wiederum, sich ganz darauf zu konzentrieren, nicht entdeckt zu werden. Von konventionellen Alarmanlagen werden sie dabei meist kaum aus dem Konzept gebracht: Taucht innerhalb der ersten zwanzig Minuten niemand auf, ist sehr wahrscheinlich, dass auch danach niemand kommt, die Alarmanlage stört den Dieb also nicht.

Wenn man nun weiß, wie Diebe ticken, kann man entsprechende Vorbeugungsmaßnahmen treffen. Dies fängt schon damit an, dass man die Zimmer nicht so anordnet, wie es ein Dieb erwarten würde. Trotzdem bleibt die größte Angst eines Diebes jene, in der Wohnung auf jemanden zu treffen. So schreckt sie eine herkömmliche Sirene kaum ab, das aufgezeichnete Geräusch von Schritten, die sich aus einem anderen Zimmer nähern, aber sehr wohl.

Die restlichen Tipps, die Nee aus ihrer Befragung entwickelt hat, sind bereits weitgehend bekannt: keine Türen oder Fenster offenstehen zu lassen, vorzutäuschen, dass sich jemand im Haus befindet, also Lichter brennen zu lassen oder sich laut mit jemandem zu unterhalten um vorzugeben, es seien noch weitere Personen im Haus.

Dies alles mag nach Binsenweisheiten klingen, letztendlich funktionieren diese Tipps aber seit Jahren. Und sie tun es immer noch.

Denn man weiß ja: Vorsorgen ist besser.